Prognose BMW Aktie: Kurs steigt im Dezember langsam, 2023 schneller

3. Dezember 2022

Der Automobilhersteller BMW ist nicht länger in unwägbarem Fahrwasser des Halbleitermangels, und so hellt sich der Ausblick für die 85 Euro kostende BMW-Aktie auf. Der Geschäftsausblick ist gut. Elektrische Fahrzeuge und BMW passen immer besser zusammen. Hinzu kommt eine solide Bilanz. Entsprechend aussichtsreich sind dreistellige BMW Aktienkurs Prognosen.

Plötzlich kostet die BMW-Aktie ein Viertel mehr. Zwischen Ende September und Ende November 2022 verteuerten sich die Anteilsscheine von 69 Euro auf 85 Euro. Um den Absturz des ersten Quartals wettzumachen, müsste der Aktienkurs noch einmal knapp 15 Euro nachlegen. Damit wäre BMW wieder so wertvoll wie im Januar 2022.

Bilanz

Die kurzfristigen Vermögenswerte übersteigen die kurzfristigen Verbindlichkeiten um 13%. Damit ist das so genannte Current Ratio, eine wichtige Finanzkennzahl für langfristig orientierte Value-Investoren dort, wo es sein muss: Der Wert ist größer eins, teilt man Vermögenswerte durch Verbindlichkeiten. Überdies konnte BMW sein Current Ratio in den letzten fünf Jahren über eins halten, und in den letzten vier Jahre sogar im Schnitt bei 1,14 verankern.

20172018201920202021
kurzfr. Verm.73,583,590,681,886,1
kurzfr. Verb.71,870,982,672,076,5
Current Ratio1,021,171,101,141,13
in Milliarden Euro, Quelle: marketwatch.com

Bei BMW stiegen die Vorräte in den letzten fünf Jahren von 12,7 Milliarden Euro recht deutlich auf 15,9 Milliarden Euro (+25,2%). Das dürfte mit dem Halbleitermangel und nicht fertigproduzierten Fahrzeugen zusammenhängen. Zieht man die Vorräte von den kurzfristigen Vermögenswerten ab und teilt den Wert durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten bekommt man das so genannte Quick Ratio.

BMW's Quick Ratio war kleiner als eins. Ein gesundes Quick Ratio liegt etwas über eins. Hier muss man zwei kritische Fragen stellen:

  1. Haben die auf Vorrat gelegten Fahrzeuge an Beliebtheit und Popularität verloren?

  2. Müssen diese Fahrzeuge, die mit Herstellkosten in den Umsatzerlösen gebucht sein dürften, zu niedrigen Verkaufspreisen abgegeben werden und wiegen damit künftig auf der Nettoumsatzrendite?

Das Eigenkapital überstieg mit 75,1 Milliarden Euro die langfristigen Schulden von 61,2 Milliarden Euro. Es ergibt sich ein Verschuldungsgrad von 81 Prozent. Anders ausgedrückt: 19 Cents Eigenkapital stehen bei BMW 81 Cents langfristige Schulden gegenüber. In den vergangenen fünf Jahren kletterten die langfristigen Schulden von 48,8 Milliarden Euro auf 61,2 Milliarden Euro (+25%). Das Eigenkapital erhöhte sich von 54,1 Milliarden Euro auf 75,1 Milliarden Euro (+39%.).

Der Verschuldungsgrad ist zwar immer noch über 80% und damit nicht gerade niedrig. Der Trend zeigt aber nach unten. Die Autoindustrie ist im Umbruch. Hier muss viel investiert werden. Daher kann man von einem Autohersteller nicht erwarten einen so niedrigen Verschuldungsgrad zu haben wie der Coca-Cola-Konzern.

Gewinn- und Verlustrechnung (G&V)

Der Jahresüberschuss von BMW lag bei 12,5 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2021. Bei Umsatzerlösen von 111,2 Milliarden Euro kam der Premiumhersteller damit auf eine Nettumsatzrendite von 11%. Das war mehr als dreimal so viel wie im Jahr davor, als der Jahresüberschuss bei 3,9 Milliarden Euro gelegen hatte. "Aufgrund der Erstkonsolidierung von BMW Brilliance Automotive Ltd., Shenyang, (BMW Brilliance) zum 11. Februar 2022 stieg das Konzernergebnis vor Steuern deutlich", heißt es dazu im letzten Quartalsbericht.

Noch im Corona-Jahr 2020 hatte die Nettoumsatzrendite bei mageren 3,8% gelegen. In den Jahren davor blieben im Schnitt 7% der Erlöse als Gewinn hängen. Wegen den Ausreißer-Jahren 2020 und 2021 ist man gut beraten, bei BMW-Aktien-Prognosen vorsichtig mit 7% zu kalkulieren, um den Gewinn je Aktie für die nächsten drei Jahre zu veranschlagen. (siehe unten)

Wie effizient BMW sein Kapital einsetzt, zeigt der Return on Capital (ROC). Setzt man den Jahresüberschuss von 12,5 Milliarden Euro ins Verhältnis zur Summe aus Eigenkapital und gesamten Verbindlichkeiten (243,8 Milliarden Euro laut Marketwatch, 229,5 Milliarden Euro laut BMW Konzernabschluss) ergibt sich ein Wert von 5,1% für 2021.

20172018201920202021
Jahresüberschuss.8,67,04,93,812,4
Eigenkapital + Schulden195,5209,0241,7230,5243,8
Return on Capital4,4%3,3%2,0%1,6%5,1%
in Milliarden Euro, Quelle: marketwatch.com

Das ROC blieb in den letzten fünf Jahren stabil. Das zeigt, dass der BMW-Vorstand eine vernünftige Arbeit geleistet hat die erwirtschafteten Gewinne zu reinvestieren. Zur vollsten Zufriedenheit ist es aber nicht. Dafür müsste der ROC kontinuierlich steigen.

Mit der Covid-Pandemie, dem Halbleitermangel und der Energiekostenexplosion gab es in den letzten Jahren viel Gegenwind. Beginnen sich überdies die langfristigen Investitionen in Elektrofahrzeuge ab 2023 verstärkt auszuzahlen, darf man BMW zutrauen seinen Return on Capital in den kommenden fünf Jahren langsam Richtung 10% zu steigern. Hier dürfte dem Fahrzeugbauer zu Gute kommen, dass er seine Kosten traditionell besser im Griff hat als die Konkurrenten.

Gleich auf der dritten Seite des Geschäftsberichts 2021 setzt sich BMW selbst die Zielvorgabe seinen Return on Capital auf 18% zu steigern. Es handelt sich aber um den Return on Capital Employed (ROCE). Hier wird der Jahresüberschuss vor gezahlten Zinsen und Steuern ins Verhältnis zur Summe aus Eigenkapital und Schulden gesetzt. Für 2022 errechnet sich ein ROCE laut G&V und Bilanz des Geschäftsberichts von 6%. 2021: 2,2%.

Setzt ein Unternehmen ein so hoch gestecktes Ziel prominent zu Beginn seines 353-seitigen Geschäftsberichts ins Schaufenster, lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen. Die Zielvorgabe von 18% gilt nämlich nicht für die gesamte BMW Group, sondern nur den Bereich Automobile. Hier war der ROCE 8,2% in 2021 und 1,9% in 2020.

Warum man keine Zielvorgabe für die gesamte BMW Group abgibt, hinterlässt einen faden Beigeschmack. Zum einen kann sich das demotivierend für die Mitarbeiter in den Bereichen Motorräder und Finanzdienstleistungen auswirken und zu einer gewissen Überheblichkeit der Automobilbelegschaft führen. Zum anderen gesteht der Vorstand indirekt ein, weniger profitable Bereiche mit durchzuschleppen, zumindest kann das so von einigen Investoren, die wie der legendäre und zugleich berüchtigte Carl Icahn vorgehen, interpretiert werden.

Solche aktvistischen Investoren bekommen allerdings bei BMW kein Fuß in die Tür, weil die Großaktionäre Stefan Quandt und Susanne Klatten knapp 26% der Aktien halten (Sperrminorität).

Prognose BMW Aktie

Die BMW-Aktie ist aktuell mit 85,30 Euro (02.12.2022) nicht so günstig wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 3 suggeriert. Das 3er KGV bezieht sich auf die Gewinne der letzten zwölf Monaten. Diese waren auch wegen der Erstkonsolidierung der chinesischen Tochter überdurchschnittlich hoch. Dadurch ergibt sich ein Gewinn je Aktie von knapp 19 Euro (Quelle: Google Finanzen), der das KGV übermäßig nach unten drückt.

Warren Buffett zufolge ist die letzten zwölf Monate heranzuziehen, wie beim Autofahren in den Rückspiegel zu schauen. Wer an der BMW-Aktie interessiert ist, tut gut daran mit einem Gewinn je Aktie von 8 Euro zu kalkulieren. Demzufolge liegt das KGV aktuell bei 11. Steigert BMW den Gewinn je Aktie in den nächsten drei Jahren pro Jahr im Schnitt um 7%, wäre man bei 9,20 Euro Gewinn je Aktie in 2025. Multipliziert mit einem KGV von 11, wäre der Aktienkurs dann bei 101 Euro, einem Plus von 18% gegenüber dem aktuellen Kurs.

Geht man von einer durchschnittlichen jährlichen Dividende von 3 Euro je Aktie aus, läge der Return on Investment für BMW-Aktien bei 29% über drei Jahre und 9,6% pro Jahr.

Wegen der anhaltend hohen Inflation bleibt aber nicht so viel übrig. Für Deutschland muss man mit einer durchschnittlichen jährlichen Inflation von 5% kalkulieren. Unter dem Strich blieben 14% (3 Jahre) und 4,7% (pro Jahr) Rendite übrig.

Das könnte Sie auch interessieren:
Eon Aktie Prognose 2023: Hohe Dividende von 5,4% holen