Euro-Dollar-Prognosen: Die neuesten Einschätzungen 2023

Die größten Banken der Welt trauen dem US-Dollar im Jahr 2023 mehr zu. Der Euro habe mit seinem steilen Anstieg von 0,95 auf 1,07 Dollar im vierten Quartal 2022 das Maximale herausgeholt, sagen Deutsche Bank und Co. Die Euro-Dollar-Prognosen liegen im Mittel bei 1,01. Der Median (Zentralwert) ist mit 1,00 etwas tiefer.

Die Commerzbank ist die größte Freundin der Gemeinschaftswährung. Sie sieht den Euro Jahresmitte 2023 bei 1,06 Dollar. Es folgt die Deutsche Bank. Auf Sicht von sechs Monaten könne der US-Dollar auf 1,05 abwerten, sagte sie Anfang Dezember. Der US-Arbeitsmarkt präsentiere sich zwar stark. Die Arbeitslosenquote stieg allerdings zuletzt auf 3,7 Prozent.

Das Lager der Pessimisten führt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit einer Euro-Dollar-Prognose von 0,97 an. "Nach unserer Prognose werden die Aktienkurse im 1. HJ. 2023 fallen. Hierunter dürfte der Euro leiden", begründet die Landesbank aus dem Südwesten. Es folgen ING und Royal Bank of Scotland, die Euro-Dollar-Prognosen von 0,98 treffen.

Liniendiagramm Euro-Dollar-Kurs mit Punkt Prognosen 2023

EZB will stärkeren Euro

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) im 2. Halbjahr 2022 ihren Leitzins merklich von 0% auf 2,5% anhob, hat sie nun beschlossen ihre Bilanz zu schrumpfen. Konkret geht es um die Reduzierung des Bestands an Staatsanleihen. Ab März 2023 wird sie so monatlich 15 Milliarden Euro aus dem Finanzsystem ziehen.

Im Fachjargon spricht man von Quantitative Tightening. Hierbei handelt es sich wie bei Leitzinserhöhungen um eine Straffung der Geldpolitik, die dem Euro Auftrieb verleihen sollte. Die Schrumpfung der auf neun Billionen Euro angeschwollenen EZB-Bilanzsumme finde allerdings im Schneckentempo statt, monieren Kritiker.

Gleichwohl sind Zinserhöhungen und Bilanzschrumpfung ein Indiz dafür, dass der EZB-Notenbankrat einen Euro-Dollar-Kurs von 1,10 einem von 1,00 vorzieht. Ein stärkerer Euro würde der EZB helfen die außer Kontrolle geratene Inflation über die Importschiene zu bekämpfen. Notenbankbeobachter hegen jedoch wegen den hohen Staatsschulden vieler Euroländer an der Entschlossenheit, die Inflation zurück auf zwei Prozent zu bringen, Zweifel.

2023

Die Prognosen der Großbanken liegen mit 1,01 deutlich unter dem aktuell bei 1,06 notierenden EUR/USD-Kurs. Der Euro hatte Mitte Dezember sogar die Chance mit einem Satz auf 1,10 Dollar zu steigen. Er blieb jedoch bei 1,0750 hängen. Seitdem ist er langsam am sinken.

Aus technischer Sicht befindet sich der Euro-Dollar-Kurs aktuell an einem kritischen Punkt. Zunächst führte der Ausbruch aus einem Aufwärts-Trendkanal zu einem noch steileren Anstieg. Inzwischen hat sich die Aufwärtsdynamik allerdings verflüchtigt, und so ist eine Korrekturbewegung des Euro auf 1,0450 für Januar angezeigt.

Im weiteren Verlauf des Jahres dürfte sich der Euro erst stabilisieren und nach später oben ziehen. Der Abwärtstrend, der den Euro-Dollar-Kurs zwischen Mai 2021 und September 2022 von 1,23 auf 0,95 runterdrückte, ist gebrochen und gilt daher als beendet. Ihm dürfte im ersten Quartal 2023 entweder ein Aufwärtstrend Richtung 1,10 oder eine Seitwärtsbewegung zwischen 1,04-1,08 folgen.

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