Wie geht es mit dem Pelletpreis weiter? Tiefer für länger

Die Pelletpreisentwicklung für Deutschland tritt die Flucht nach unten an, und so sank der Pelletspreis auf 482 Euro je Tonne (1.000 kg) per 25. November 2022. Es fehlt nicht mehr viel zur Halbierung. Noch im September quotierten Händler 800 Euro. Aktuell läuft eine Gegenbewegung des seit drei Monaten steil nach unten zeigenden Preistrends. Der von dem Branchendienst Heizpellets24 ermittelte durchschnittliche Verkaufspreis steigt auf 525 Euro. Österreichs Pellethändler wiedersetzen sich merklichen Preisabschlägen.

Hauptgrund des purzelnden Pelletpreises sind Überbevorratung und Hamsterkäufe des Spätsommers. Viele der 570.000 deutschen Haushalte mit Pelletheizung hatten offenbar eine latente Angst im Winter im kalten zu sitzen. Sie kauften die Lager der Händler leer. Dass sie sehr hohe Preise bezahlten, stellte sich erst im Nachhinein heraus. Tatsächlich musste man Ende August/Anfang September 2022 davon ausgehen, dass der Pelletspreis über 1.000 Euro klettern würden.

Dazu kam es allerdings nicht. Der Pelletpreis war mit 800 Euro bereits über das Ziel hinausgeschossen. Mit nachlassenden Hamsterkäufe begann die Suche nach einem tieferen Gleichgewichtspreis. Diese Suche dauert bis heute an, zumal Pellethändler inzwischen wieder genug auf Lager haben.

Hinzu kommen erheblich gesunkene Kosten für die "Evergreener"-Energieträger Gas und Heizöl. Werden sie günstiger, haben in der Regel auch die Pelletkunden etwas davon, obschon es keinen direkten Zusammenhang zwischen der Preisbildung von Holz und fossilen Energieträgern basierend auf Kohlenwasserstoffen gibt.

Pelletspreis Österreich

"Entspannung bei Pelletspreisen zeichnet sich ab", heißt es in einem Artikel auf orf.at. Für Menschen, die ihr Haus mit Pellets heizen, gebe es gute Nachrichten. Expertinnen und Experten erwarteten rückläufige Pelletpreise, hatte der ORF am 7. November gemeldet. Der Rückgang fällt allerdings bescheiden aus:

  • In Österreich sinkt der Pelletpreis im November von 625 Euro auf 566 Euro (-9,4%).
  • Eine Halbierung des Pelletpreises, wie sie sich in Deutschland abzeichnet, ist für die Anfang Oktober bei 715 Euro gegipfelte Pelletpreisentwicklung in weiter Ferne.

Dass Holzpellets in Österreich teurer als in Deutschland sind, erschließt sich den meisten Marktbeobachtern nicht. Österreich ist ein Netto-Exporteur von Holz und Pellets. Hiesige Sägewerke und Pelletproduzenten erzeugen mehr als das, was sie auf dem heimischen Markt absetzen können. Gleichwohl sind Holzpellets in Deutschland aktuell um 43 Euro je Tonne günstiger. Anfang 2022 war es noch umgekehrt. In Deutschland bezahlte man 350 Euro, in Österreich 310 Euro.

Ausblick und Einschätzung

Eine Besonderheit der Pelletpreisentwicklung ist: Sie reagiert indirekter auf die konjunkturelle Entwicklung als die Preise für Gas und Öl. Pellets sind ein Nebenprodukt der Sägewerke und Möbelhersteller. Sie sind vergleichbar mit Flüssiggas (LPG), das zum Heizen verwendet wird. Dieses fällt als Propangas als Nebenprodukt der Rohölförderung an.

Sind die Sägewerke stärker ausgelastet, weil die Konjunktur ihre Talsohle durchschritten hat, fällt mehr Holzpellet-Material an, und der Pelletmarkt ist gut versorgt. Die Holzpreise steigen, weshalb der Preis für das Sägenebenprodukt ebenfalls steigt.

Pelletspreise Entwicklung 2022 mit eingezeichnetem Prognose-Pfeil 2023

Wegen der übermäßigen Bevorratung im Zuge der Hamsterkäufe und den bisher milden Temperaturen dürfte die Nachfrage der Pelletheizung-Haushalte in diesem Jahr schwächer ausfallen. Damit steht einem guten Angebot von Pellets eine geringere Nachfrage gegenüber. Die Pelletpreisentwicklung wird daher weiter sinken müssen.

Das Tempo des Preisrückfalls beschleunigt sich, alsbald sich unter Pelletanbietern ein gewisser Unmut breitmacht. Anders als erwartet, bleiben sie auf ihren hohen Lagerbeständen sitzen. Lagerhaltung kostet Geld und bindet Ressourcen. Um von den hohen Beständen runterzukommen, werden Anbieter zu niedrigeren Preisen verkaufen. Sie können sich das durchaus leisten, da man zuvor an den Hamsterkäufen überdurchschnittlich verdiente.

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