Aktuelle Betonstahlpreise je Tonne (1.000 kg)

Deutsche Baustahlabnehmer haben nach langer Durststrecke die Zielgerade erreicht. Der Betonstahlpreis steht kurz davor unter 1.000 Euro je Tonne zu zu sinken. Damit ist die Trendwende perfekt. Im Juni hatte Betonstahl 1.165 Euro inklusive Dimensionsaufspreis und Lieferung gekostet. Im April waren es gar 1.500 Euro und mehr.

Distributoren von Betonstahl würden ihre Preise rascher senken als Betonstahlerzeuger, berichtet Kallanisch. Im nordeuropäischen Mittel kostete Betonstahl 965 Euro am 27. Juli 2022. Das Preisniveau in Deutschland ist also nach wie vor höher, als es im Schnitt bei etwa 1.020 Euro liegt.

Liniendiagramm Stahlpreis Betonstahl Entwicklung 2022

Deutsche Betonstahlhersteller seien dabei die Verkaufspreise auf etwa 950 Euro zu drücken, meldet Argus. "Die Nachfrage wird in den kommenden Wochen bis zum Ende der Ferienzeit niedrig bleiben", äußert sich ein Marktteilnehmer. Niemand wisse, wie es im Herbst weitergehe.

Unsicherheit

Hohe Energiekosten könnten die Stahlpreise dann wieder steigen lassen. Russland liefert derzeit nur 20 Prozent der möglichen Gasmenge durch die Ostseepipeline Nord Stream 1. Die deutsche Wirtschaft ist bereits am stagnieren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) trat im zweiten Quartal auf der Stelle, meldet das Statistische Bundesamt.

"Mit der BIP-Stagnation im zweiten Quartal wird eine Rezession immer wahrscheinlicher", warnt Wolfgang Niedermark, Mitglied des Vorstands des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

Der Gasmangel setzt auch den Stahlherstellern zu. In Deutschland wird überdurchschnittlich viel Strom über Gaskraftwerke erzeugt. Dieser Strom wird dann von Elektrohochöfen bei der Produktion von Langstählen verbraucht. Die hohe Unsicherheit, zu welchen Kosten künftig Betonstahl produziert werden kann, spricht gegen eine Fortsetzung des Abwärtstrends der Betonstahlpreise.

Überdies kann ein Teil der beschleunigten Talfahrt der Betonstahlpreise Lagerumschichtungen zugeschrieben werden. Betonstahlweiterverarbeiter werfen Material, das sie Ende des letzten Jahres zu niedrigeren Preisen gekauft hatten, gegenwärtig verstärkt auf den Markt. Dieser Betonstahl wird zu tieferen Preisen verkauft als der der Stahlhersteller.

Das dürfte aber nicht ewig so weitergehen. Die Lager der Weiterverarbeiter lehren sich und damit müssen die Preise wieder rauf, als die Weiterverarbeiter sonst nicht kostendeckend wirtschaften könnten.

Ausblick

Betonstahl aus italienischen Hochöfen kostete 885 Euro je Tonne per 27. Juli 2022 – nach 870 in der Vorwoche. Anders als in Deutschland ist die Stahlpreisentwicklung hier aufwärtsgerichtet. Die Betonstahlnachfrage sei gut, stellt Fastmarkets fest.

Aber auch hier dominiert die Unsicherheit mit Blick auf die Gas- und Energieknappheit, die den europäischen Kontinent schon in wenigen Wochen ereilen könnte.

Aus der Top-Down-Perspektive eines Ökonomen könnte die ganze Aufregung um hohe Ausschläge der Stahlpreise, wie man sie im Frühjahr nach Russlands Invasion der Ukraine sah, übertrieben sein.

Das was die Stahlhersteller aufgrund der Energieknappheit weniger erzeugen, wird von den Abnehmern aufgrund der Rezession weniger nachgefragt. Gemäß einer solchen Stahlpreis Prognose würden sich die Betonstahlpreise bis Jahresende seitwärts zwischen 900 und 1.100 Euro entwickeln.

Internationale Betonstahlpreise

"Aus Algerien bekommt man für 800 Euro/Tonne ein ordentliches Sortiment an Baustählen verschiedener Größen bis vor die Haustür geliefert", sagt der Manager eines großen deutschen Distributors Kallanish. Betonstahl aus der Türkei kostete Ende Juli 640 Euro/fob, vom Balkan 760-770 Euro.

Lange Lieferzeiten schrecken potenzielle Käufer jedoch oft ab. Wer jetzt bestellt, bekommt das Material im Oktober/November. Bei Bestellungen in Deutschland geht es mit zwei bis drei Wochen deutlich schneller.

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