Aktuelle Stahlpreise pro Tonne (1.000 kg) Ende Q3/2022

Der Stahlpreis für warmgewalzten Stahl steigt in Westeuropa um 27 Euro auf 739 Euro je Tonne, meldete Steel Benchmarker per 12. September 2022. Es war der erste Anstieg der im 2-Wochen-Rhythmus erhobenen Stahlpreisentwicklung seit dem Beginn des zweiten Halbjahres 2022.

Steigende Energiekosten haben Hersteller von Warmband weniger hart getroffen als Produzenten von Langerzeugnissen. Hintergrund: Sie produzieren über die kohleintensive Hochofenroute. Ergebnis: Die Warmbandpreise sanken stärker als die Stahlpreise für Baustähle.

Liniendiagramm Stahlpreis Warmband Deutschland 2020-2022

Auf der anderen Seite trifft der wirtschaftliche Niedergang die Flachstahlerzeuger härter. "Die deutsche Wirtschaft ist im September mit beschleunigter Rate geschrumpft", berichtete S&P Global am 23. September. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe fiel auf 48,3 Zähler.

Der Auftragsbestand der Industrie sank mit beschleunigter Rate. Ihre Einkaufsmengen verringerten die Unternehmen den dritten Monate in Folge und so deutlich wie zuletzt im Juni 2020. Die Lieferzeiten sind so kurz wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Stahl-Distributoren könnten rasch liefern, wenn denn jemand bestellen würde. "Der Markt ist sehr ruhig. Niemand hat Interesse zu bestellen", so ein Stahlhändler. "Die Distributoren sitzen auf hohen Lagerbeständen, die sie bis Jahresende abbauen müssen."

Stagflation

Trotz schrumpfender Wirtschaft ist die hohe Inflation eine Konstante. "Gerade als es so aussah, als ob der Inflationsdruck nachlassen würde, hat der erneute Anstieg der Energiepreise dazu geführt, dass sich die Einkaufspreise erstmals seit fünf Monaten wieder stärker verteuerten", erläutert der PMI-Experte Phil Smith.

Die Erzeugerpreise waren im August 2022 um 45,8 Prozent höher als im August 2021, meldete das Statistische Bundesamt. Es war der höchste Anstieg seit Aufzeichnungsbeginn der Zeitreihe 1949. Im Juli und Juni waren die Steigerungsraten mit 37,2 Prozent bzw. 32,7 Prozent bereits sehr hoch. Weil die deutsche Wirtschaft laut Smith im gesamten zweiten Halbjahr schrumpfen dürfte, macht sich eine Stagflation breit.

Langerzeugnisse, US-Warmband

Der Stahlpreis für nordwesteuropäischen Betonstahl lag per 14. September 2022 laut einer Preiserhebung von Kallanish bei 975 Euro je Tonne. Wie gewohnt ist Betonstahl in Deutschland teurer, und so waren es hier 1.050-1.080 Euro. Französische Abnehmer kommen für 950 Euro an Betonstahl. In Italien waren es 940 Euro per 21. September – 40 Euro weniger als in der Vorwoche. (Spotpreise ab Werk, inklusive Dimensionsaufpreis)

"Bis vor wenigen Monaten standen die Weichen im Wohnungsbau noch auf Wachstum. Die Unternehmen verfügen immer noch über prall gefüllte Auftragsbücher, aber mit Blick auf die künftige Entwicklung greift die Angst um sich", berichtet das ifo-Institut. Im Wohnungsbau komme es vermehrt zu Auftragsstornierungen. "Die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau haben sich in den letzten Monaten massiv verschlechtert."

Weil die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins über den Sommer um insgesamt 1,25 Prozent erhöhte, wurde Baugeld teuer. "Teureres Baugeld zerstört Träume vom Eigenheim. Die Bauzinsen donnern nach oben", heißt es in einem Beitrag auf Börse Online.

In den USA bleibt warmgewalzter Stahl im freien Fall. Der Stahlpreis je Tonne (1.000 kg) lag hier zuletzt bei 888 US-Dollar. Das waren 55 Dollar weniger als Ende August. Ihren letzten Anstieg hatte die US-Stahlpreisentwicklung zum Monatswechsel April auf Mai gesehen. Seinerzeit war der Preis auf 1.618 Dollar gestiegen. Es folgte die bis heute andauernde, ununterbrochene Talfahrt.

Stahlmarkt-Ausblick

"Die Erholung des globalen Stahlmarktes vom Covid-19-Einbruch war leider von kurzer Dauer", stellt das Stahl-Komitee der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fest. Der weltweite Stahlvebrauch sei im 1. Halbjahr 2022 wegen der rapiden Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich geschrumpft.

Moody's zufolge werden die europäischen Stahlpreise wahrscheinlich weiter fallen. Sinkende Einkaufsmangerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und schleppende Käufe seitens der Distributoren schwächten die Stahlnachfrage, erwartet die Ratingagentur.

Die Stahlnachfrage habe sich nach den ruhigen Sommermonaten nur langsam erholen können, stellt die Metallberatungsgesellschaft MEPS fest. "Die Produktionskosten der Stahlhersteller steigen weiter. Stahleinkäufer sind unsicher über die zukünftige Marktentwicklung." Einige Käufer seien allerdings der Meinung, das der Tiefpunkt am Stahlmarkt durchschritten sei.

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