Normalisierung der Stahlpreise fällt ins Wasser

Weniger Gas aus Russland bedeutet tiefere Stahlpreise, als dadurch die Nachfrage von Stahlverwendern stärker sinkt als das Stahlangebot der Hersteller. Der Warmbandpreis fällt deutlich um 50 Euro auf 800 Euro je Tonne frei Werk Ruhr. Statt des von Experten prognostizierten Anstiegs über 900 Euro droht nun ein Rückfall auf 750 Euro.

Die für Anfang September erwarteten Lageraufstockungen sind vom Tisch. Laut übereinstimmenden Berichten von Marktteilnehmern werden Distributoren und Stahlverwender frühestens Ende September/Oktober ihre Lagerbestände merklich erhöhen. Aber auch das könnte sich als Irrtum herausstellen, sollte Europa in eine Rezession schlittern.

Stahlpreis Prognose

Die negativen Auswirkungen einer akuten Energieknappheit auf die Stahlnachfrage wären größer als auf die Stahlherstellung, zitiert Argus den Metallindustrie-Experten einer Bank. "Daher gehe ich davon aus, dass diese Dynamik für die Stahlpreise unter dem Strich negativ sein wird."

Der Stahlpreisentwicklung bliebe eine Normalisierung verwehrt. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie kostete Warmband 440 Euro. Einen Monat nach Kriegsausbruch in der Ukraine schoss der Preis auf 1.425 Euro. Das Mittel der beiden Extrempunkte ergibt einen aus der Sicht der Hersteller fairen Stahlpreis von 933 Euro.

Liniendiagramm Stahlpreis Warmband Euro/Tonne mit Tendenz bis 2023

Mit einem solchen Preis könnten Flachstahlhersteller nicht nur kostendeckend arbeiten. Sie hätten auch eine recht komfortable Gewinnmarge. Die meisten ihrer Kunden können und wollen aber nicht so viel bezahlen. "Die Lager sind voll und jeder hat Liquditätsprobleme", gibt ein Händler gegenüber Platts zu bedenken.

Der überraschende Rückgang bei Warmband wirft die Stahlpreis Prognosen großer Marktteilnehmer über den Haufen. Die meisten hatten mit einem Anstieg Richtung 933 Euro gerechnet. Stattdessen könnte es jetzt runter auf 750 Euro gehen.

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