Stahlpreis Entwicklung 1. Halbj. 2022 / Stahl Prognosen 2. Halbj.

Die Stahlpreisentwicklung 2022 ist wegen hohen Lagerbeständen am purzeln, und so kostet Warmband 820 Euro je Tonne. Das ist der tiefste Stand seit März 2021. Sollte die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte nicht mitspielen, müssten die aktuell bei 900 bis 1.000 Euro liegenden Stahlpreis Prognosen halbiert werden. Droht Stahlherstellern das Uniper-Schicksal?

Der Stahlpreis für Warmband sank in Westeuropa um 110 Euro auf 820 Euro je Tonne, meldete Steel Benchmarker am 27. Juni 2022. Es war bereits der sechste Rückgang in Folge der im im 2-Wochen-Rhythmus erhobenen Stahlpreisentwicklung. Die letzten vier Abschläge lagen jeweils über 100 Euro je Tonne und fielen damit überdurchschnittlich hoch aus.

Stahl-Service-Center und Endabnehmer haben im März und April 2022 zu viel des seinerzeit sehr teuren Stahls gekauft. Ausgelöst wurden diese Hamsterkäufe durch den Kriegsausbruch in der Ukraine. Im Rückblick lässt sich nun sagen. Eine "ruhige Hand" der Einkaufsmanager wäre besser gewesen.

"Globale Stahlhersteller fanden rasch neue Lieferanten und kompensierten den Ausfall von Rohstofflieferungen und Halberzeugnissen aus Russland", klärt die Metallberatungsgesellschaft MEPS auf. Vor allem Rohstoffexporteure aus Asien, wo Covid die Konjunktur im Frühjahr 2022 noch stark beeinträchtigt hatte, lieferten ihre Überhänge nach Europa.

Angebot verringern

ArcelorMittal hat Hochöfen in Eisenhüttenstadt und Dünkirchen runtergefahren. Salzgitter verlängerte die Wartungsarbeiten an einem Hochofen. Ziel der Stahlhersteller ist die seit den Rekordhochs im März und April 2022 inzwischen um mehr als 40 Prozent gefallenen Stahlpreise zu stabilisieren.

"Damit sich die Preise erholen, müssen die Hersteller Produktionskürzungen so viel es geht thematisieren. Den Endabnehmern muss aufgezeigt werden, dass, dass die Lieferverfügbarkeit nach dem Sommer möglicherweise nicht so hoch ist", sagen die Stahlexperten von Argus.

Die in Deutschland ansässigen Stahlhersteller haben 3,2 Millionen Tonnen Rohstahl im Mai 2022 erzeugt. Das waren 11,5% weniger als im Mai 2021. Bei warmgewalzten Erzeugnissen gab es ein Minus um 8,4% auf 2,8 Millionen Tonnen, wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl Ende Juni mitteilte.

Stahlpreis Prognosen

"Ich glaube die Preise sind gerade dabei einen Boden zu finden", spekuliert der Mitarbeiter eines Stahl-Service-Center gegenüber Platts. Ab September werde sich die Stahlnachfrage beleben. Es werde aber nicht zugehen wie unmittelbar nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine, als die gekauften Mengen und Preise "verrückt" gewesen seien.

Der konjunkturelle Gegenwind wurde in den letzten Wochen stärker. Vieles deutet auf eine Rezession hin. Die von Konjunkturexperten eng beobachteten Einkaufsmanagerindizes (PMI) für die Industrie und den Service-Sektor stehen kurz davor eine schrumpfende Wirtschaftsleistung anzuzeigen.

Außer Kontrolle geratene Inflationsraten von 8-10 Prozent in Westeuropa und 15 Prozent in Mittel- und Osteuropa hängen wie ein Damoklesschwert über der Konjunktur. Tatsächlich ist dieses Schwert längst auf die privaten Haushalte herabgefallen. Im Konjunkturverlauf wurde das bisher kaum sichtbar, da pandemiebedingte Lockerungen die Wirtschaft im 2. Quartal anschoben.

Stahl Entwicklung 2022 mit eingetragener Stahlpreis Prognose 2022/23

Im 2. Halbjahr werden die Covid-Lockerungen allerdings "verfrühstückt" sein, so dass die schädliche Wirkung der Inflation auf die Konjunktur voll durchschlägt. "Hohe Lebensmittel- und Energiekosten werden die private Nachfrage nach stahlhaltigen Produkten wie Haushaltsgeräten und Autos verringern", warnt MEPS.

"Bei den Stahlpreisen erwarten wir noch leichte Rückgänge bis Jahresmitte und eine Seitwärtsbewegung der Spotpreise im zweiten Halbjahr", sagen die Rohstoffexperten der Deutschen Industriebank. "Einer nachhaltigen Preisumkehr dürften die hohen Energiekosten und Vormaterialpreise entgegenstehen."

Extremszenario: Gas-Lieferstopp

Sollte Russland seine Gaslieferungen komplett einstellen, bliebe es nicht beim verzweifelten Hilferuf des Energiekonzerns Uniper. Der hat gerade beim Staat finanziellen Beistand erbeten. Bereits die in die Wege geleitete Verringerung russischer Gaslieferungen stelle die Industrie laut dem BDI vor "immense Herausforderungen".

Käme plötzlich überhaupt kein Gas mehr aus Russland in Deutschland an, müsste der Staat die Stahlindustrie retten. Was dann mit den Stahlpreisentwicklung passiert, darüber kann man nur spekulieren. Am wahrscheinlichsten wäre wohl aufgrund der fehlenden Energie zur Betreibung der Hochöfen ein erneutes Hochschießen der Stahlpreise.

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