Stahlpreis Prognose Herbst 2022: Seitwärts, dann hoch

Steigende Stahlpreise für europäischen Flachstahl stehen im September 2022 nicht zur Debatte, sagt die Metallberatungsgesellschaft MEPS. Demzufolge wird der im August von 850 Euro auf 750 Euro je Tonne runtergerasselte Warmbandpreis noch etwa sechs Wochen nahe seinem tiefsten Stand seit 17 Monaten verweilen, ehe es Richtung 900 Euro geht.

Zum einen brauchen Distributoren und Endabnehmer keinen Stahl, als sie noch genügend auf Lager haben. Eine merkliche Verringerung der Lagerbestände bis Anfang/Mitte September, die Stahlnachfrage und Preis hochbrächten, kommt damit nicht in Frage. Zum anderen können die Stahlhersteller nicht an der Preisschraube drehen, um ihre wegen gestiegenen Energiepreisen deutlich höheren Produktionskosten zu kompensieren.

"In einer Reihe von Fällen verkaufen die Stahlhersteller zu oder unter ihren Grenzkosten der Produktion", schildert MEPS. Hintergrund: Ihre Auftragsbücher sind nicht gut gefüllt. Sie haben zu viele Rohstoffe auf Lager und müssen Cash Flow generieren. Unter dem Strich sei der kurzfristige Ausblick für den Stahlmarkt und die Entwicklung der Stahlpreise "extrem unsicher".

Stahl Entwicklung mit eingezeichneter Stahlpreis Prognose

Ab Oktober wendet sich das Blatt dann. Einige Käufer sind der Auffassung, dass die Stahlpreise für Warmband bei 750 Euro ihren Tiefpunkt erreicht haben. Sie stellen Anfragen Ende 2022/Anfang 2023 beliefert zu werden. Ihr Kalkül: Sollten die Stahlpreise im Herbst steigen, kämen sie mit heutigen Vertragsabschlüssen zu tiefen Preisen recht günstig an Stahl.

Aktuelle Einkaufsmanagerdaten aus dem Verarbeitenden Gewerbe untermauern diese Einschätzung. Der Index für Deutschland lag mit 49,8 Punkten über den Wert des Vormonats. Darüber hinaus hat er auch die Erwartungen übertroffen. "Positiv anzumerken ist, dass sowohl die Lieferengpässe als auch der Kostenauftrieb nachgelassen haben", erläutert S&P Global.

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