Stahlpreis Prognose Herbst 2022: Es geht aufwärts

Laut einer internen Stahlpreis Prognose des Stahlverarbeiters Marcegaglia wird Stahl 8-10% teurer. Demzufolge wird der seit mehreren Wochen bei 850-860 Euro je Tonne kauernde Warmbandpreis auf etwa 930 Euro steigen. Entsprechend klettern die Stahlpreise für Betonstahl auf 1.130 Euro in Deutschland (aktuell: 1.040 Euro) und 950 Euro in Italien (aktuell: 870 Euro).

"Ich denke, dass die Preise in wenigen Wochen oder nach der Sommerpause steigen werden", sagt Antonio Marcegaglia zu S&P Global. Die Stahlnachfrage komme nach und nach zurück. Darüber hinaus weist der Unternehmenschef auf die gesunkene Profitabilität der Stahlhersteller hin. Der schwache Euro-Wechselkurs zum US-Dollar habe Rohstoffe für europäischer Hüttenbetreiber verteuert.

Die Differenz zwischen den Rohstoffpreisen und Warmband verkleinerte sich im Juni 2022 auf 23%. Im März lag dieser von Stahlaktienanalysten beobachtete Spread noch bei 44%. Seinerzeit hatten rekordhohe Stahlverkaufspreise die ebenfalls deutlich gestiegenen Einkaufspreise für Eisenerz und Kohle überkompensiert. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Der Warmbandpreis sank in den letzten vier Monaten von 1.425 Euro auf 855 Euro (-40%).

Stahlhersteller kommen unter Margendruck, bestätigen die Analysten der Bank of America. Hohe Rohstoffpreise bedeuteten Gegenwind ihre Profitabilität. Überdies seien die Konjunkturperspektiven geschwächt und die Konkurrenz aus China nehme wegen dort steigenden Stahlausfuhren zu, heißt es in einer Branchenstudie.

Deutsche Wirtschaft taucht ab

Trotz sich abzeichnender Erholung in der Automobilindustrie (siehe unten) schrumpfte die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Juli 2022 so stark wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanageindex (PMI) von S&P Global sank überraschend deutlich um 2,6 Punkte auf 49,4 Zähler. Zählerstände unter 50 bedeuten bei diesem Diffusionsindex, dass die Wirtschaftsleistung am schrumpfen ist.

Industrieunternehmen ächzen unter der weit verbreitete Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und der Sorge um die Energiesicherheit. Anhaltende Lieferschwierigkeiten verhagelten ihnen den Absatz. Beim Exportneugeschäft schlug für das Verarbeitende Gewerbe das größte Minus seit 26 Monaten zu buche.

Liniendiagramm Stahlpreis Warmband mit eingezeichneter Prognose Herbst 2022

Stahlpreise treten Flucht nach oben an

Die Stahlpreise für Flacherzeugnisse werden durch die Bank weg um 50 Euro je Tonne steigen, berichtet Kallanish unter Verweis auf Marktbeobachter.

Nach einer verkorksten ersten Jahreshälfte stehen die Autohersteller (OEM) vor einem Comeback. Der Chipmangel ist inzwischen überwunden. Bercihte häufen sich, wonach ohne Halbleiter vorproduzierte Fahrzeuge von extra angemieteten Abstellflächen verschwinden.

Es gibt bereits Befürchtungen über Lieferengpässe von Bandstählen und Blechen im Herbst. Rollen die Autohersteller in puncto Produktionssteigerungen das Feld von hinten auf, könnte es tatsächlich so weit kommen, erklärt der Stahleinkäufer eines Zulieferers gegenüber Kallanish.

Betonstahl

Die Betonstahlpreise waren mit Ausnahme von Deutschland weniger schwankungsreich als die Flachstahlpreise. In Italien kostete Betonstahl 860-880 Euro je Tonne per 20. Juli 2022 – nach 830-880 in der Vorwoche. Die Nachfrage sei recht gut. Überdies würden Käufer die Lager vor dem Beginn der traditionellen August-Sommerferienzeit aufstocken, berichtet Fastmarkets.

In Deutschland liegen die Betonstahlpreise aktuell bei 1.040 Euro. Bauunternehmen befürchten, dass die Talfahrt aufgrund der zueletzt wieder gestiegenen Preise in Südeuropa vor einem Ende steht. Erneute Rekordhochs kämen aber wohl nur in Betracht, wenn Russland seine Gaslieferungen komplett einstellen würde. Danach sieht es momentan nicht aus.

Ende April 2022 hatte Betonstahl bis zu 1.365 Euro im nordeuropäischen Schnitt, in Deutschland sogar mehr als 1.500 Euro gekostet. Rückläufige internationale Stahlschrottpreise haben seitdem mit dazu beigetragen die Betonstahlpreise runterzubringen. In den ersten drei Juliwochen kam es dann zu einem recht scharfen Anstieg des türkischen Exportpreises.

Dieser Anstieg wird gerade wieder rückgängig gemacht, und so sank der der Exportpreis für homogenen Eisen- und Stahlschrott (Heavy Melting Steel, HMS 1/2) auf 383 US-Dollar je Tonne per 21. Juli. Das waren 28 Dollar weniger als eine Woche zuvor.

Da es laut Marktbeobachtern in Südeuropa eine größere Bereitschaft gibt höhere Preise zu akzeptieren, könnten die Betonstahlpreise tatsächlich wie vom Marcegaglia-Chef prognostiziert 8-10% steigen. Im Norden ist diese Bereitschaft nicht vorhanden, auch weil die hiesigen Betonstahlproduzenten, die oft südeuropäische Eigner haben, die Preise im 2. Quartal drastisch erhöhten.

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