Stahlpreise auch in dieser Woche stabil bei 630-650 Euro

Die Stahlpreise stabilisieren sich im bundesweiten Durchschnitt bei 630-650 Euro je Tonne. Im Vergleich zum Frühjahr deutlich niedrigere Gaspreise dürften der Grund sein. Wäre die Nachfrage nach Stahl größer, läge die Stahlpreisentwicklung für warmgewalzten Stahl in Deutschland womöglich schon bei 700 Euro je Tonne.

"Die Preise für warmgewalzte Stahl auf dem europäischen Markt blieben am 10. November unverändert", berichtet Platts. Es werde wenig Stahl gehandelt, und so liegt der Spotpreis bei 640 Euro ex-works Ruhr. Hierbei handelt es sich um einen Durchschnittspreis. Laut Meldungen von Stahlherstellern und Distributoren kommen einige Käufer für 630 Euro zum Zug, andere müssen 670 Euro bezahlen.

Stahlpreis Warmband Entwicklung Linienchart Januar bis November 2022

In der Nordsee drehen die Kapitäne riesiger Flüssiggastanker Däumchen. Hintergrund ist der Absturz der Gaspreise zwischen August und November 2022 von 34 Cent je Kilowattstunde (kWh) auf 10 Cent. Die Flüssiggaslieferanten wollen zu einem solch niedrigen Preis nicht entladen und verkaufen. Sollte der Gaspreis nicht wieder steigen, wäre die ab 12 Cent greifende Gaspreisbremse der Bundesregierung überflüssig.

ArcelorMittal stellt einen Hochofen im südfranzösischen Fos-sur-Mer ab. Grund sei der Rückgang der Stahlnachfrage, teilt der Konzern mit. "Marktquellen waren sich einig, dass weitere Kürzungen der Stahlproduktion in Europa erforderlich seien, um Angebot und Nachfrage auszugleichen", meldet Fastmarkets.

EU nimmt Warmband ins Visier

Die EU erwägt die Errichtung weiterer Handelshemnisse, um heimische Stahlhersteller vor zu starkem Wettbewerbsdruck aus Drittländern abzuschirmen. "Eine vierte Runde von Antidumpingmaßnahmen für warmgewalzten Stahl ist möglich", heißt es aus dem Umfeld der Anwaltsfirma Van Bael & Bellis. Nach dem auf russischen Stahl verhängten Einfuhrverbot haben sich die Warmbandimporte aus Japan, Südkorea, Taiwan und Indien deutlich erhöht.

Der Politik ist ein Dorn im Auge, dass europäische Stahlhersteller Hochöfen abschalten und gleichzeitig die Importe von Halberzeugnissen (Brammen) aus Ländern wie Brasilien erhöhen. Dieses Vorgehen sei notwendig, um Produktionslinien für Bandstähle aufrecht zu erhalten, reklamieren die Stahlhersteller.

Einige Marktteilnehmer rechnen mit einem leichten Anstieg der Stahlnachfrage Ende November. Käufer würden dann die Lagerbestände mit im 1. Quartal 2023 ausgelieferten Warmband etwas erhöhen, heißt es. Überdies dürfte ein Teil des starken Rückgangs der Gaspreise auf die milden Temperaturen zurückzuführen sein. Man muss also mit einem Anstieg der Gaspreisentwicklung über die 12 Cents der Gaspreisbremse rechnen.

Käme dann noch eine neue Runde von EU-Antidumpingmaßnahmen hinzu, könnte die Stahlpreisentwicklung für Warmband bei 600-650 Euro einen Boden finden. Ein Anstieg auf 700 Euro wäre das Ergebnis, möglicherweise sogar über 700 Euro, sollten die Käufer eine gewisse Eile an den Tag legen, weil sie nicht länger davon ausgehen, dass die Preise weiter sinken.

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